Germanen und Römer
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Germanen
und
Römer

ein Online-Lexikon
von Wolf Mittag

Lexikon: Germanen und Römer: Inhalt
Vorgeschichte: Herkunft der Germanen, Kelten und Römer
Die Kelten, Nachbarn der Germanen
Die Römer, Beherrscher der bekannten Welt
Rom unter Augustus, dem ersten Kaiser
Die Germanen
Siedlungsraum und Nachbarvölker
Germanische Stämme
Germanische Siedlungen und Dörfer
Häuser
Aussehen
Kleidung
Waffen und Kriegsrüstung der Germanen
Lebensweise
Nahrung
Nahrung bei den Römern
Körperpflege
Gesundheit
Landwirtschaft
Handwerk
Handel
Währung und Preisbeispiele
Besitz
Sprache der Germanen: Herkunft und Erbe
Gesellschaft und Staat
Sippe
Rolle der Frau
Unfreie
Adel
Gefolgschaft
Die heidnische Religion
Die wichtigsten germanischen Götter
Zauberei
Kunst und Kultur der Germanen
Ansichten der Kulturvölker über die Barbaren
Sklaverei im Römischen Reich
Krieg
Römische Legionen
Römische Eroberung Germaniens
Römische Herrschaft über Germanien
Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien
Folgende Jahrhunderte: Blüte und Niedergang des Römischen Reiches
Literaturempfehlungen
Impressum
Historisches Computerspiel Teudogar und das Bündnis mit Rom

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by Wolf Mittag.
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Rolle der Frau

Die Germanen lebten in einer genauso patriarchalischen Gesellschaft wie alle indoeuropäischen Völker, wie die Kelten, Römer, Griechen oder Perser: Die germanische Frau stand unter der Vormundschaft ihres Vaters, später ihres Ehemannes, und nach dessen Tod womöglich der Vormundschaft ihrer eigenen Söhne.

Althochdeutsch 'Munt' bedeutet 'Schutz, Hand' - davon sind die deutschen Worte 'mündig' und 'Vormundschaft' abgeleitet: D.h., der Germane beschützte seine Frau, traf wichtige Entscheidungen für sie und handelte an ihrer Stelle. Ihr rechtlicher Status war eher der eines Kindes als eines Erwachsenen.

Dementsprechend war eine Eheschließung ein Sippenvertrag zwischen Ehemann und Vater über die Übertragung der Verantwortung: Der Mann 'kaufte' seine künftige Frau von ihrem Vater - im Tausch gegen Rinder, ein Pferd oder Waffen. Die künftige Ehefrau wurde oft nicht einmal gefragt.

Allerdings war auch eine Art Liebesheirat möglich: Ein Mann konnte seine künftige Ehefrau 'rauben' - mit ihrem Einverständnis, aber gegen den Willen ihrer Sippe. Dies geschah aber nicht oft, weil es meistens blutige Sippenfehden nach sich zog.

Der 'Brautkauf' bedeutete nicht, daß ein Mann seine Frau wie ein Sklavin gekauft hätte. Vielmehr war es bei den Germanen Sitte, Verträge, Bündnisse oder auch Freundschaften durch Gabentausch zu besiegeln: So wie heute eine Unterschrift einen Vertrag rechtsgültig macht, tat dies bei den schriftlosen Germanen ein Geschenk.
Dementsprechend schenkte die Frau ihrem Mann eine Waffe, und er beschenkte sie nach der ersten gemeinsamen Nacht mit Vieh oder anderem Besitz: Damit war die Eheschließung zwischen allen Parteien vertraglich besiegelt.

Mann und Frau heirateten im gleichem Alter. Eine Braut wurde von ihrem Mann über die Schwelle des Hauses getragen. (Ursprünglich bezweckte dieser Brauch vielleicht, die Ahnen nicht zu kränken, die in viel früheren Zeiten oft unter der Türschwelle begraben worden waren, wo sie den Lebenden nahe sein sollten.) Wenn sie danach dreimal das Herdfeuer umschritten hatte, war sie rituell in Haus und Sippe ihres Mannes aufgenommen. Künftig war sie Herrin des Hauses, hatte Weisungsrecht über alle Knechte und Mägde, verwaltete die Vorräte, und organisierte einen Haushalt, der meistens ein Dutzend Personen umfasste.

Die 'Vormundschaft' des Ehemannes bezog sich eigentlich nur auf formell-rechtliche und politische Handlungen, die mit anderen Männern durchgeführt werden mußten, wie z.B. Vertragsabschlüsse oder die Teilnahme an der Volksversammlung und ähnliches (in diesen Bereichen blieben Frauen bis ins 20.Jh. unverändert rechtlos).

Im Alltag hatten Frauen die entscheidende wirtschaftliche und soziale Stellung. Sie organisierten den landwirtschaftlichen Betrieb, leiteten die Ausübung der Handwerke, befehligten und überwachten die Knechte und Mägde, erzogen die Kinder, sorgten für Wohlergehen aller Familienmitglieder, bewirteten die Gäste uvm.

Ihren Ehemännern gegenüber verhielten sie sich frei und gleichberechtigt. Sie konnten sie rügen oder schelten, konnten sie auffordern, Beleidigungen zu rächen, konnten ihnen von Kriegszügen abraten oder ihnen Feigheit vorwerfen und sie zum Handeln auffordern etc.

Beging eine Frau Ehebruch, konnte ihr Mann sie allerdings töten oder verstoßen, ohne dafür die Rache ihrer Herkunftssippe fürchten zu müssen - im Gegenteil, oft verlangten ihre Verwandten ausdrücklich eine harte Bestrafung, weil ihnen der 'Vertragsbruch' peinlich war.

Ein Mann konnte dagegen seine eigene Ehe überhaupt nicht brechen - zeugte er Kinder mit anderen Frauen, stellte das nicht den Zusammenhalt seiner eigenen Sippe in Frage. Er hatte sogar ein Recht auf Kebsweiber (althochdeutsch 'Kebisa' bedeutet 'Magd'), d.h. er konnte ohne Heimlichtuerei mit seinen Sklavinnen schlafen. (Affairen mit freien Frauen waren übrigens schwierig, weil es wenig Gelegenheiten gab, sich heimlich zu treffen, und man die Blutrache des Ehemannes oder des Vaters befürchten mußte.)

Das Alltagsleben der meisten Frauen dürfte überwiegend aus Mühe und Arbeit bestanden haben. Abgesehen von der Haushaltsführung, den ständigen Schwangerschaften, dem Stillen und Betreuen der Kinder (es war nicht üblich, dafür Ammen und Mägde zu verwenden), mußten sie oft auch die Felder bestellen, während sich ihre Männer mit Waffenübungen beschäftigten.

Typische Frauenarbeiten waren außerdem Spinnen, Färben, Weben, Schuhe fertigen, Kleider nähen, Tongeschirr fertigen, Essensbereitung. Da meistens mehrere Generationen unter einem Dach lebten, verteilte sich diese Menge auf Großmütter, Tanten, Schwestern, Töchter und Dienstmägde. (Angehörige reicher Familien hatten natürlich genug Sklavinnen, um selbst überhaupt nicht arbeiten zu müssen.)

Viele Germanen meinten, daß es unmöglich sei, einer Frau zu vertrauen. Tatsächlich berichten germanische Sagen und Geschichtstexte häufig, wie Frauen ihre Ehemänner, Verwandten, Liebhaber etc ermordeten - und zwar meistens mit beachtlicher Heimtücke: Oft stachelten sie absichtlich zu todbringenden Kriegszügen oder Zweikämpfen an; oft säten sie Streit, von dem sie wußten, daß er tödlich enden würde; oft stifteten sie andere zum Mord an, und manchmal töteten sie auch offen und direkt.

Denn germanische Frauen hatten dieselbe Ethik wie germanische Männer: Wenn sie meinten, daß ihnen Unrecht zugefügt wurde, hatten sie das Gefühl, nicht weiterleben zu können, ohne sich zu rächen. Doch während Männer stets bewaffnet umhergingen, und ihre Feinde einfach offen und 'ehrenvoll' erschlagen konnten, hatten Frauen meistens keine andere Wahl, als ihre Rache über Täuschung und Intrige zu erreichen.

Andererseits ist eine große Wertschätzung sichtbar: Frauen galten als heilig und prophetisch; ihr Rat war wertvoll. Römische Texte erwähnen oft germanische Priesterinnen. Ariovist, Heerkönig der Sueben, verlor 58 v.Chr. die Schlacht gegen Caesar, weil seine Priesterinnen die Niederlage prophezeit hatten: Seine Krieger kannten den Spruch und waren mutlos. Die germanische Priesterin Veleda wurde wie eine Göttin verehrt und lenkte während des Bataveraufstandes 70 n.Chr. das Geschick ganzer Stämme.
Tacitus meint, wenn man sichergehen wolle, daß die Germanen einen Vertrag einhielten, sollte man adelige Jungfrauen als Geiseln fordern.

Im Kriegsfall zogen sich die Frauen mit den Kindern und Knechten in Fluchtburgen oder in die Wälder zurück. Wenn ein ganzer Stamm mit Viehwagen auszog, um neues Siedlungsland zu suchen, und es zu Kämpfen kam, bildete man Wagenburgen, in denen die Frauen Schutz fanden, bis die Schlacht vorbei war. Wollten die Kämpfer fliehen, hielten die Frauen sie auf, entblößten ihre Brüste, um zu erinnern, was bei einer Niederlage ihr Schicksal sein würde, und schickten sie zurück in die Schlacht.
Als die germanischen Kimbern 101 v.Chr. die Schlacht gegen die Römer verloren, töteten die Frauen ihre Kinder, ihre fliehenden Ehemänner, Brüder oder Väter und schließlich sich selbst, um der Versklavung durch die Sieger zu entgehen.









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